 |
 |
| |
DER BLAUE
ENGEL
Produktion Time Table
back »
|
| 1928 Juni |
Der Ufa-Vorstand genehmigt
Verhandlungen mit Emil Jannings für die Erich
Pommer Produktion bis zu einer Gage von 50.000,–
Dollar. |
| Juli |
Der Ufa-Vorstand erhöht
den Spielraum für Verhandlungen mit Emil Jannings
bis zu einer Gage von 75.000,– Dollar. Da Jannings
erst im November nach Berlin zurückkommen kann,
kommt ein Engagement für 1928 nicht in Frage
|
| 31. Juli |
Die Academy of Motion
Picture Arts and Sciences erklärt Emil Jannings
zum ersten Schauspieler, der für seine herausragende
Leistung in den Filmen THE WAY OF ALL FLESH,
US 1927; (Regie: Victor Fleming)
und THE LAST COMMAND, US 1928; (Regie:
Josef von Sternberg) einen Oscar erhält.
|
| 1929 Januar |
Die Ufa nimmt erneut Verhandlungen
mit Jannings auf; die Dreharbeiten sind für November
1929 bis Februar 1930 vorgesehen; als Gage sollen
nunmehr 60.000,- Dollar angeboten werden. –
Der Drehbuchautor Robert Liebmann wird von der Ufa
für ein Jahr zu einem Monatsgehalt von 2.500,–
RM angestellt; ferner wird vereinbart, daß
Liebmann innerhalb dieses Jahres fünf Manuskripte
zu einem Preis von je 10.000,– RM abliefert
und dafür ausschließlich für die Ufa
arbeitet.
|
| April |
Erich Pommer wird vom
Ufa-Vorstand aufgefordert, mit Emil Jannings über
ein Engagement für ein oder zwei Tonfilme zu
verhandeln.
|
| 25. April |
Abriß der Außenkulissen
des Films DIE LIEBE DER JEANNE NEY, 1928; (Regie:
G.W. Pabst) für die an dieser Stelle entstehenden
neuen Tonfilmateliers der Ufa.
|
| Mai |
Carl Zuckmayer schließt
mit der Ufa einen Vertrag über die Ablieferung
von drei Treatments zum Preis von 10.000,– RM.
Sollte ein Treatment für die Verfilmung in Frage
kommen, erhält Zuckmayer für die Erstellung
des Drehbuches nochmals 20.000,– RM; bei einer
Aufführung des Films in den USA werden nochmals
10.000,–RM gezahlt. – Erich Pommer soll
mit Emil Jannings über ein Engagement für
die Tonfilmproduktion der Ufa verhandeln; als Gage
sieht die Ufa die Obergrenze bei 50.000,– Dollar.
|
| 1. Mai |
Beginn der Bauarbeiten
für das Tonkreuz (vier kreuzweise angeordnete
Tonfilmateliers) der Ufa in Neubabelsberg.
|
| 15. Mai |
Nach zweieinhalb Jahren
in Amerika trifft Emil Jannings in Berlin ein. Wenige
Tage darauf verbreitet die Ufa die Meldung, daß
Zuckmayer für Emil Jannings ein Drehbuch schreibe,
daß im Rahmen der Erich Pommer Produktion verfilmt
werde. Am folgenden Tag findet in Los Angeles die
erste Oscar Verleihung statt.
|
| 31. Mai |
Im Ufa– Palast am
Zoo wird der letzte Emil Jannings Film THE STREET
OF SIN (DER KÖNIG VON SOHO; Regie:
Mauritz Stiller; USA 1928) aufgeführt.
|
| 1. Juni |
Die Tageszeitschrift "Film-Kurier"
veröffentlicht die Liste der geschäftlich
erfolgreichsten Filme der Saison 1928/29; an
achter Stelle steht THE LAST COMMAND (SEIN LETZTER
BEFEHL) mit Emil Jannings unter der Regie von
Josef von Sternberg.
|
| 3. Juni |
Im Gloria-Palast wird
erstmals in Deutschland ein amerikanischer Tonfilm
gezeigt: THE SINGING FOOL (mit Al Jolson,
Regie: Lloyd Bacon, USA 1928). In sechs
Tagen sehen mehr als 30.000 Besucher in Berlin den
Film.
|
| 21. Juni |
Gründung des Filmstudio
1929 in Berlin unter Leitung von Moritz Seeler, Robert
Siodmak und Edgar G. Ulmer.
|
| 27. Juni |
Karl Vollmoeller trifft
aus Amerika kommend in Berlin.
|
| Juli |
Als erster Jannings-Film
soll der Stoff "Rasputin" verfilmt werden.
Das Vorstandsmitglied E.H. Correll verhandelt erfolglos
mit Lubitsch über ein Engagement als Regisseur;
nach Lubitschs Absage werden Verhandlungen mit Josef
von Sternberg geführt. Lubitsch wurden 60.000,–
Dollar geboten, Sternberg fordert 40.000,– Dollar,
die Ufa bietet 30.000,– Dollar.
|
| 2. Juli |
Deutsche Erstaufführung
von Dziga Vertovs DER MANN MIT DER KAMERA (UdSSR
1929) im Marmorhaus, Berlin, in Anwesenheit des
Regisseurs.
|
| 9. Juli |
Eröffnung des Mozartsaals,
Berlin als Tonfilmtheater mit Erich von Stroheims
THE WEDDING MARCH (USA 1928). Musik und
Geräusche kommen von Schallplatten.
|
| 24. Juli |
Der Ufa-Plast am Zoo wird
wegen Einbau einer Tonfilm-Anlage für eine Woche
geschlossen.
|
| August |
Laut einer internen Kalkulation
der Ufa soll der "Jannings-Film" 1.250.000,–
RM kosten – neben dem bereits in Arbeit befindlichen
Film DER WEISSE TEUFEL ist damit der "Jannings-Film"
der teuerste Ufa– Film der Saison 1929/30.
– Dr. Karl Vollmoeller wird als dramaturgischer
Mitarbeiter des "Jannings-Film" zu einer
Gage von 23.000,– RM plus Reisekosten Venedig-Berlin
und 60,– RM Tagesspesen vom 16. August bis zum
12.11. 1930 verpflichtet. Insgesamt erhält Vollmoeller
26.780,– RM
|
| 9. Aug. |
Carl Laemmle, Präsident
der Universal Pictures Corp. ist für vier Tage
in Berlin.
|
| 16. Aug. |
Josef von Sternberg trifft
mit seiner Frau um 8.23 Uhr auf dem Bahnhof Zoo in
Berlin ein. Auf einer Pressekonferenz im Esplanade
teilt er mit: " 'Mir ist als wär
ich in Hollywood gestorben, und nun bin ich im
Himmel wieder aufgewacht.' ... Der Stoff,
den er hier drehen wird, soll in der Art von
VARIETÉ sein. RASPUTIN hat man noch fürs
erste zurückgestellt. Das Manuskript dieses Janningsfilms
wird von Carl Zuckmayer in Gemeinschaft mit Karl Vollmoeller
ausgearbeitet werden." – "Jannings
reist noch nach St. Moritz, das Manuskript wird man
wahrscheinlich in Vollmoellers ständiger Wohnung
in Venedig ausarbeiten."
|
| 21. Aug. |
S. M. Eisenstein und seine
Mitarbeiter Grigorij Aleksandrov und Eduard Tissé
treffen zu einem längeren Besuch in Berlin ein.
|
| 22. Aug. |
Der Ufa Palast am Zoo
zeigt Josef von Sternbergs letzten Film THE DRAGNET
(POLIZEI, USA 1928 mit George Bancroft)
|
| 23. Aug. |
Die Ufa erwirbt die Verfilmungsrechte
für Heinrich Manns Roman "Professor Unrat"
für 25.000,– RM; weitere 10.000,–
RM werden 1931 nach der Vorführung der englischen
Fassung in New York gezahlt.
|
| 26. Aug. |
Carl Winston wird als
Cutter und Regie– Assistent zu einem Honorar
von 300,– RM pro Woche engagiert.
|
| 27. Aug. |
Carl Zuckmayer wird für
das Drehbuch des BLAUEN ENGEL verpflichtet. Als Gesamthonorar
werden 15.776,20 RM gezahlt. Die Ufa teilt in einer
Pressemitteilug den Plan mit, Heinrich Manns "Professor
Unrath" mit Emil Jannings in der Hauptrolle in
deutscher und englischer Fassung zu verfilmen. Die
Ufa verpflichtet Josef von Sternberg für die
Regie des Jannings-Film "Professor Unrath"
zu einem Honorar von 40.000,– Dollar bis zum
31.12.1929. Über den 31.12 1929 hinaus darf die
Ufa Josef von Sternberg nur mit Genehmigung der Paramount
und längstens bis zum 14.1.1930 beschäftigen.
Für jede zusätzliche Arbeitswoche über
den 31.12. 1929 hinaus erhält Sternberg 3.000,–
Dollar. – Der Ufa– Vorstand diskutiert
Einwände gegen die Verwendung des Romans "Professor
Unrath"; Herr Correll erklärt, daß
der Stoff vollkommen umgearbeitet wurde und "die
Figur des Professor Unrath in menschlich verständlicher
Weise geschildert würde, so daß zu den
befürchteten Angriffen kein Anlaß bestehen
würde".
|
| September |
Kurt Gerron wird zu einem
Pauschalhonorar von 15.500,– RM für sieben
Wochen engagiert. |
| 5. Sept. |
Premiere der Revue ZWEI
KRAWATTEN von Georg Kaiser im Berliner Theater. Aus
der Besetzung der Revue werden Marlene Dietrich, Hans
Albers und Rosa Valetti für den BLAUEN ENGEL
engagiert.
|
| 9. Sept. |
Testvorführung der
stummen und tönenden Fassung von Alfred Hitchcocks
BLACKMAIL (ERPRESSUNG, Großbritannien
1929) im Universum, Berlin. Die Mehrheit
der Besucher spricht sich für die Tonfilmfassung
aus.
|
| 19. Sept. |
Uraufführung des
Films DAS SCHIFF DER VERLORENEN MENSCHEN (Deutschland
1929; Regie: Maurice Tourneur; mit
Marlene Dietrich) im Ufa-Pavillon, Berlin.
|
| 24. Sept. |
Übergabe und Arbeitsbeginn
der neuen Ufa-Tonfilmateliers in Neubabelsberg.
|
| 30. Sept. |
Berliner Premiere von
THE DOCKS OF NEW YORK, USA 1928, Regie:
Josef von Sternberg; mit George Bancroft)
im Gloria-Palast – Uraufführung des ersten
deutschen Tonfilms DAS LAND OHNR FRAUEN (Deutschland
1929; Regie: Carmine Gallone; mit Conrad
Veidt) im Capitol, Berlin.
|
| Oktober |
Der Ufa-Vorstand genehmigt
das Engagement von Marlene Dietrich zu einem Gesamthonorar
von 20.000,– RM; falls sie auch in einer englischsprachigen
Version eingesetzt werden sollte, erhöht sich
das Honorar auf 25.000,– RM. – Die revidierten
Herstellungskosten werden in Höhe von 1.279.000,–
RM genehmigt. "Nach Erörterung erklären
die Herren Correll und Pommer übereinstimmend,
es sei ganz ausgeschlossen, daß durch die Art
der Darstellung öffentlicher Anstoß erregt
werde, insbesondere nicht bei den Lehrern. Der Professor
Unrath werde sympathisch gesehen und ebenso Schule
und Lehrkörper. Daraufhin erklärt sich die
Versammlung mit dem Film endgültig einverstanden."
(Ufa– Vorstandsprotokoll 30.10.29)
– Sieben Drehtage in der Tonhalle Ost –
wahrscheinlich handelt es sich um Probeaufnahmen,
um das Tonsystem und die Schauspieler zu testen. "Neben
dem letzten Feilschen am Manuskript, dem allmählichen
Einsetzen des Dialoges sind die Probeaufnahmen für
den Film vor sich gegangen. Man hat Schauspieler ausprobiert,
die sich eignen könnten, und sucht heute noch
weiter. Für die 'Künstlerin Fröhlich',
die hier Lola Lola heißen soll, ist soeben Marlene
Dietrich engagiert worden. Ihre Stimme hat sich nämlich
als überraschend günstig für die Wiedergabe
erwiesen, weil sie unbefangen und natürlich spricht.
Wie sie im Bühnenkleid aussehen soll, verrät
bereits eine bunte Zeichnung: Chanteuse im kurzen
Röckchen mit viel Dessous, den Hut schief auf
die Seite gesetzt. Und Jannings? Der große
Emil hat, so rasch es ging, Probeaufnahmen von sich
machen lassen, um gleich zu wissen, wie sie ausfallen.
Ihm ist es dabei wie allen gegangen, die zum erstenmal
im Tonfilm sprechen: das Lampenfieber hat ihn auf
eine Minute recht tüchtig gepackt. ... In der
kommenden Woche werden weiter Probeaufnahmen gemacht
werden."
|
| 7. Okt. |
Karl Vollmoeller erhält
für seine Arbeit am Manuskript plus Spesen 26.780,–
RM
|
| 14. Okt. |
Uraufführung des
G.W. Pabst Films TAGEBUCH EINER VERLORENEN (Deutschland
1929; mit Louise Brooks) im U.T. Kurfürstendamm.
|
| 15. Okt. |
Weltpremiere des Fritz
Lang Films FRAU IM MOND (Deutschland 1929)
im Ufa-Palast am Zoo.
|
| 16. Okt. |
George Bancroft besucht
Berlin. Gleich nach seiner Ankunft versammelt er im
Adlon eine Reihe Berliner Pressevertreter zu einem
"Interview meeting"; zu diesem meeting
trafen sich mehrere gute Bekannte aus USA. Josef von
Sternberg, der Regisseur Bancrofts in UNTERWELT,
POLIZEI und DIE DOCKS VON NEW YORK trägt überhaupt
die Schuld an allen Verbrechen, die Bancroft jemals
begangen hat. Jovial und gut gelaunt antwortet Bancroft
auf alle Komplimente "das hat Sternberg gemacht."
Karl Vollmoeller kommt herein. Wie ein großes
Kind fällt ihm Bancroft um den Hals "Hallo,
Doktor!", und erzählt seinem Freund
von dem großen Schoppen Bier, den er bei seiner
Ankunft in Berlin zum Frühstück getrunken
hat. Am folgenden Tag unternimmt Bancroft in Begleitung
von Joseph von Sternberg, Carl Zuckmayer, Karl Vollmoeller
und einem Troß von Journalisten einen Streifzug
durch Berliner Unterwelt– Lokale. In Babelsberg
werden Sternberg, Jannings, Bancroft und Eisenstein
für die Presse fotografiert.
|
| ab Mitte Okt. |
Probeaufnahmen mit Emil
Jannings und Marlene Dietrich.
|
| 20. Okt. |
B.P. Schulberg, Produktionsleiter
der Paramount in Hollywood, macht auf seiner Europareise
in Berlin Station.
|
| 28. Okt. |
Uraufführung der
deutschen Fassung von ATLANTIC (Großbritannien
1929; Regie: E.A. Dupont; mit Fritz Kortner)
im Gloria Palast, Berlin. – Pressemitteilung
der Ufa: Für den BLAUEN ENGEL sind als Bildkameramann
Günther Rittau, als Ton-Kameramann Fritz
Thiery und als Architekt Otto Hunte verpflichtet worden.
|
| November |
Der Ufa– Vorstand
bekräftigt nochmals seine Forderung, daß
durch die "Art der Ausführung des Films
keinerlei Anstoß erregt werden soll." (Protokoll
vom 4.11.1929) – . Karl Huszar– Puffy
wird als Kneipenwirt, Friedrich Holländer
ist als Komponist,, die Weintraub Syncopators
sind als Musik– Band engagiert – 26 Drehtage
in der Tonhalle Süd in der Dekoration des Lokals
"Blauer Engel". Es werden Szenen im Tingel-Tangel-Lokal
"Der blaue Engel" mit Emil Jannings als
Gymnasialprofessor, Marlene Dietrich, Rosa Valetti
und Kurt Gerron aufgenommen
|
| 2. Nov. |
Aufführung von UNDERWORLD
in der Berliner "Kamera" in Anwesenheit
von George Bancroft und Josef von Sternberg (am
Freitag – K, 6.11.29)
|
| 4. Nov. |
Drehbeginn des BLAUEN
ENGEL in der stummen Nordhalle Babelsberg; im
November werden dort 12 Drehtage verbracht. Die Ufa-Pressestelle
teilt das Engagement von Kurt Gerron und Rosa Valetti
für den BLAUEN ENGEL mit.
|
| 13. Nov. |
Max Reinhardt besucht
die Tonfilmateliers der Ufa und beobachtet die Dreharbeiten
zu DER BLAUE ENGEL. "So hat man ein Bums-Varieté
zum 'Blauen Engel', von Hunte in beklemmender
Natürlichkeit aufgebaut, und hundert Darsteller
ausgesucht zu einer Massenszene, die beim stummen
Film mit natürlicher Routine glatt und ohne Auftrieb
erledigt worden wäre. Beim Tonfilm aber heißt
es für Sternberg, den Regisseur, die
höchste darstellerische Entfaltung in Ton und
Pantomime zu erzielen. Man muß diese besessene
Hingabe, dieses Anspornen und Entfesseln aller
Leistungsfähigkeit miterlebt haben, um zu
begreifen, wie hier am Film mit einem ihm bisher
fremden Bei-der-Sache-sein gearbeitet wird. Routine
schafft es nicht mehr, denn vom Augenblick der
Ateliergestaltung erlangt der Tonfilm seinen dauernden,
mechanisch festgehaltenen Wert. Großartig Emil
Jannings, in jeder Szenenprobe muß er ja
eine vollkommene, endgültige Darstellerleistung
erreichen. Diese Umwandlung des Pantomimikers zum
Vollschauspieler, der seine Rolle nur einmal
spielen darf und sich nicht vertrösten kann,
daß er morgen vielleicht in größerer
Gebelaune sein wird, setzt eine außergewöhnliche
physische Anspannung voraus.
|
| 15. Nov. |
Uraufführung von
DIE WEISSE HÖLLE IM PIZ PALU (Deutschland
1929, Regie: Arnold Fanck, G.W. Pabst;
mit Gustav Diessl, Leni Riefenstahl) im
Ufa-Palast am Zoo.
|
| 16. Nov. |
Josef von Sternberg und
Marlene Dietrich besuchen den Ball der deutschen Filmindustrie
in den Festräumen des Zoologischen Gartens.
|
| 21. Nov. |
Deutsche Uraufführung
der stummen Fassung von F.W. Murnaus THE FOUR DEVILS
(DIE VIER TEUFEL, USA 1929) im Universum,
Berlin.
|
| 22. Nov. |
Reichspressechef Dr. Zechlin
und Reichskunstwart Dr. Edwin Redslob besuchen Neubabelsberg
und die Dreharbeiten zum BLAUEN ENGEL.
|
| 26. Nov. |
Deutsche Uraufführung
von THE JAZZ-SINGER (DER JAZZ-SÄNGER,
USA 1928. Regie: Alan Crosland; mit Al Jolson)
im Gloria– Palast, Berlin.
|
| Dezember |
Die Produktionskosten
des BLAUEN ENGEL erhöhen sich voraussichtlich
um weitere 200.000,– RM, wenn der Film wie geplant
fertig gestellt wird. Der Abschluß der Dreharbeiten
ist nun voraussichtlich für Mitte Januar vorgesehen.
Der Ufa-Vorstand läßt sich die fertiggestellten
Szenen vorführen, ermächtigt Herrn
Pommer, "in der bisherigen Art der Regieführung
und der chronologischen Aufnahmearbeit fortzufahren"
und nimmt die Überschreitung der Kosten zur Kenntnis,
trifft dazu aber keinen Beschluß. Die direkten
Herstellungskosten betragen letztendlich 1.972.769,–
RM. Damit ist DER BLAUE ENGEL bis 1932 der teuerste
Film der Erich Pommer Produktion. (übertoffen
nur durch F.P.1) ANTWORTET NICHT" mit 2.215.277,–
RM – Die Uraufführung des BLAUEN ENGEL
wird für den 19. Februar 1930 im Gloria-Palast
geplant. – Sechs Drehtage in der Tonhalle II
West; 12 Drehtage in der Tonhalle IV Ost (Schulklasse),
27 Drehtage in der Tonhalle III Süd (Lokal
"Blauer Engel"), 12 Drehtage in der
stummen Mittelhalle I S (Straße)
|
| 7. Dez. |
Der amerikanische Regisseur
Raoul Walsh ist in Berlin
|
| 11. Dez. |
Die Ufa-Pressestelle teilt
das Engagement der Schauspieler Carl Balhaus, Robert
Klein-Lörk, Roland Varno und Rolf Müller
in der Rolle der Gymnasiasten für den BLAUEN
ENGEL mit. Fortsetzung der Dreharbeiten im Vorstadt-Variete:
"Sternberg ... hat den BLAUEN ENGEL ... sehr
echt aufbauen lassen. Die schäbige Eleganz des
Raumes wirkt genauso trostlos wie das Schicksal des
Professor Unra, der, über den Roman
hinaus, zum Clown wird. Emil als Clown –
diese Verwandlung fehlte bis jetzt in der reichen
Galerie der Masken, die ihm der Film anzulegen
befahl. Man hat das eigenartige Organ dieses Künstlers
lange nicht von der Bühne vernommen. Im Tonatelier
.... klang es eigenartig schluchzend, von Tränen
erstickt, wie es die Worte des Dialoges vorschreiben
.... Neben Jannings steht Marlene Dietrich, ein
blondes Luderchen, das hinauf will und dem zum
Aufstieg jedes Mittel recht ist. Man kommt hinzu,
wie sie mit Kurt Gerron, dessen Massigkeit nicht
übel in dieses Milieu passt, wenn auch die
Herren aus dem Ringverein sehr viel harmloser aussehen,
den Text der englischen Fassung in das Mikrophon spricht.
Die Stimme der Dietrich ist so schmiegsam wie ihre
Figur. Sie setzt, ganz wie auf der Bühne,
sanft an, nuanciert etwas schärfer und hat
dann den Lockruf des siegreichen Weibes, dem
kein Mann widerstehen kann. Das Englisch dieser gebürtigen
Berlinerin ist gut, fast ohne jeden fremden Beiklang,
namentlich ohne jedes amerikanische Näseln,
das im britischen Imperium bei Tonfilmen nicht gern
gehört wird
|
| 16. Dez. |
Uraufführung des
ersten Tonfilms der Erich Pommer Produktion der Ufa
MELODIE DES HERZENS (Deutschland 1929, Regie:
Hanns Schwarz, mit Willy Fritsch, Dita Parlo)
im Ufa-Palast am Zoo, Berlin.
|
| 30. Dez |
Uraufführung des
proletarischen Films MUTTER KRAUSENS FÄHRT INS
GLÜCK (Deutschland 1929, Regie:
Piel Jutzi) im Alhambra (Kurfürstendamm),
Berlin.
|
| 1930 Januar |
Der Ufa Vorstand lehnt
den Wunsch der "Frankfurter Illustrierten"
nach einem Gruppenbild mit Emil Jannings, Marlene
Dietrich und Heinrich Mann ab. – Eduard von
Winterstein wird für die Rolle des Schuldirektors
engagiert
Fünf Drehtage in der stummen Mittelhalle II N
(Rathausturm), fünf Drehtage in
der stummen Mittelhalle I S (Straße),
dreizehn Drehtage in der Tonhalle II West, 8
Drehtage Tonhalle III Süd (Lokal "Blauer
Engel")
|
| 7. Jan. |
Letzter Drehtag für
Marlene Dietrich
|
| 21. Jan. |
Sydney R. Kent, Generaldirektor
der Paramount, ist in Berlin und besucht die
Ufa-Ateliers in Neubabelsberg. Er sieht dort die englische
Fassung des BLAUEN ENGEL und leitet Verhandlungen
mit Marlenen Dietrich über ein Hollywood"Engagement
ein. |
| 22. Jan. |
Letzter Atelier Tag
|
| ca. 25.Jan. |
40. Presseball in Berlin.
Gesehen werden u.a. Heinrich Mann und Trude Hesterberg,
Erich Pommer, Kurt Gerron, Marlene Dietrich
und Leni Riefenstahl. |
| ca. 28. Jan. |
Erstaufführung von
Sternbergs Film THE CASE OF LENA SMITH (EINE
NACHT IM PRATER) im Berliner Primus Palast.
|
| 30. Jan. |
Friedrich Holländer
und die Weintraub– Synkopators nehmen die Instrumental-Version
von "Nimm Dich in Acht vor blonden Fraun"
und "Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe
eingestellt" im Beethoven Saal in Berlin auf.
|
| Februar |
Nachsynchronisation des
BLAUEN ENGEL,, noch unter der Regie von Josef
von Sternberg.
|
| 6. Feb. |
Aufnahmen von der deutschen
und der englischen Version der Lieder "Ich bin
von Kopf bis Fuß/" "Falling in
Love again" und "Nimm Dich in Acht vor blonden
Fraun"
|
| 11. Feb. |
Josef von Sternberg verläßt
Berlin und kehrt nach Hollywood zurück –
Carl Winston erhält 800,– RM für vier
englische Songtexte.
|
| 13. Feb. |
Marlene Dietrichs Engagement
durch die Paramount wird bekanntgegeben. "Schon
lange schweben die Verhandlungen. ... Aber ich konnte
mich nie recht entschließen hinüberzugehen,
weil ich mich nicht von meinem Kind trennen wollte.
Noch als Sternberg fortfuhr, habe ich immer nein
gesagt. Und jetzt hat es sich soeben doch entschieden,
daß ich fahre. Weil nämlich Paramount mir
je eine jahreshälfte für Deutschland gelassen
hat. So daß ich also immer nur sechs Monate
drüben zu filmen habe. ... Paramount hat in Berlin
meine englische Version von dem BLAUEN ENGEL gehört
und mich daraufhin engagiert." –
Die Direktion der Klein-Bühnen in Berlin besteht
auf Erfüllung eines einjährigen Theatervertrages
mit Marlene Dietrich. |
| 19. Feb. |
Deutsche und englische
Fassung von "Ich bin die fesche Lola/Naughty
Lola" und "Kinder heut abend such'
ich mir was aus"
|
| 28. Feb. |
Der seit Anfang Februar
in Berlin tätige neue amerikanische Botschafter
Frederic M. Sacket, besucht die Ufa-Filmateliers
in Neubalelsberg und sieht die englische Fassung des
Films LIEBESWALZER sowie einige Teile der englischen
Fassung des BLAUEN ENGEL – Besonders erfreut
war der Botschafter darüber, daß die
Ufa sich bei der englischen Version nicht sklavisch
an eine Übersetzung gebunden und fernerhin den
Mut gefunden habe, bei typisch deutschen Charakteren
absichtlich darauf zu sehen, "daß
diese Schauspieler bewußt in ihrer Sprache den
deutschen Akzent beibehielten, statt auswendig
gelernte englische Sätze tadellos, aber
farblos wiederzugeben. Denn gerade dies werde in Amerika
als besonders reizvoll empfunden werden."
|
| März |
|
| 3. März |
"Ich bin von Kopf
bis Fuß" und " Wenn ich mir was wünschen
dürfte" Aufnahmen mit MD und Friedrich Holländer
und den Weintraubs.
|
| 24. März |
Der Reklameetat wird auf
34.075,80 RM festgelegt – Der Vorspannfilm
soll als kurzer Vortrag von Dr. Hans Müller inszeniert
werden. "Es wird beschlossen, [den
Vorspann] noch in der Hinsicht abzuändern,
daß er die Fabel nur bis zu dem Punkte andeutet,
in dem die zwei Weltanschauungen aufeinanderprallen
ohne anzugeben, welches der Ausgang ist."
(Protokoll vom 24. März 1930)
|
| April |
|
| 1. April |
Weltpremiere im Gloria–
Palast, Berlin. Noch am selben Abend verlaßt
Marlene Dietrich Berlin, um nach Hollywood zu
fahren. "Plötzlich wird es ernst.
Die Trennung von Berlin wird mir nicht leicht. Erstens,
weil ich hier zu Hause bin, zweitens weil eben
Berlin Berlin ist. Warum soll ich es nicht sagen:
Ich fürchte mich ein wenig vor Hollywood ...
Der erste Film, den ich drüben unter Sternberg
spiele, ist die Tonfilmversion des Romans 'Amy
Jolly' von Benno Vigny. Und wenn es noch tausendmal
schöner wird als ich es mir vorstellen kann,
wenn alle Wunder in Erfüllung gehen, die
mir die 'Schondrübengewesenen' erzählen,
und die mir jetzt prophetisch sagen: "Du
kommst nicht wieder" – Ich komme wieder!
Schließlich lasse ich ja nicht nur Berlin,
sondern auch mein Kind hier zurück. Auf Wiedersehen."
|
| 2. April |
Auf Wunsch des Ufa-Vorstandes
sollen nachträglich Änderungen ausgeführt
werden;so sollen "verschiedene Geräusche,
die man natürlicherweise hören müßte,
auch hörbar sein"; auch soll der Tod
des Professor Unrath deutlicher werden. (Protokoll
vom 2.4. und 19.2.1930)
|
| 7. April |
Nach Vorführung der
englischen Fassung für den Ufa-Vorstand sollen
Schnitte angebracht und Szenen nachsynchronisiert
werden. – Die Ufa bezeichnet in einer Presseerklärung
den Film zum erfolgreichsten, bislang in deutschen
Kinotheatern gezeigten Tonfilm.
|
| 12. April |
Die Schlußszene
des BLAUEN ENGEL wird nachträglich mit Musik
versehen.
|
| bis 14. April |
Der Ufa-Vorstand Ludwig
Klitzsch ist mit einer Kopie des Films in den USA
|
| nach dem 22. April |
Vorführung des BLAUEN
ENGELS vor dem Bildungsausschuß des Reichstages
|
| 14. Mai |
Für die Nachaufnahmen
zur englischen Fassung des BLAUEN ENGELS werden 59.095,–
RM genehmigt.
|
| 20. – 25. Mai |
Nachsynchronisation und
Neuaufnahmen der englischen Fassung
|
| 8. Aug. |
Die Herstellung einer
französischen Fassung des BLAUEN ENGELS wird
genehmigt. Höchstwahrscheinlich handelt es sich
nur um eine Untertitelung.
|
| 27. Aug. |
Lizenzvertrag zweischen
der Ufa und Paramount über den Verleih des Films
in Amerika, Alaska, Hawaii und Neufundland.
Der Vertrag unterscheidet nicht zwischen deutscher
und englischer Fassung
|
| 5. Dez. |
Amerikanische Erstaufführung
des BLAUEN ENGEL im Rialto, New York. Gezeigt
wird die englische Fassung. Der Film erzielt in einer
Woche die Rekordeinnahme von 60.000 Dollar.
|
| 1931 |
|
| 2. Januar |
Paramount meldet in den
USA das Copyright für den BLAUEN ENGEL an;
1944 fallen die Rechte an die Ufa Film Inc, New
York zurück.
|
| 4. Oktober |
1000. Vorführung
des BLAUEN ENGEL im Pariser Studio des Ursulines.
|
| 1933 |
|
| 22. Januar |
Wiederaufführung
des BLAUEN ENGEL im Capitol, Berlin anläßlich
des Berlin-Besuchs von Josef von Sternberg
|
| 30. Januar |
Adolf Hitler wird Reichskanzler.
Beginn der Nazi-Diktatur
|
| 20. April 33 |
Das Staatsministerium
des Innern beantragt die Zulassung des BLAUEN ENGEL
zu widerrufen. Die Ufa verzichtet am 9. Mai auf die
Rechte aus der Zulassung. Die Vorführung des
BLAUEN ENGEL, ist damit nicht mehr erlaubt. Verboten
wird auch die Vorführung des Films UFA-BOMBEN
– " Ufa Kabarettfilm No. 7 (1932),
da in diesem Film Teile des BLAUEN ENGEL gezeigt werden.
back »
|