Ankunft Emil Jannings

Ankunft Von Sternberg

Vollmoeller

Winterstein

Drehbuch Vertrag

Hans Albers

Sternberg and Marlene Dietrich

Professor Unrath

Sternberg, Jannings, Bancroft und Eisenstein

Carl Balhaus


 

  DER BLAUE ENGEL
Produktion Time Table
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1928 Juni Der Ufa-Vorstand genehmigt Verhandlungen mit Emil Jannings für die Erich Pommer Produktion bis zu einer Gage von 50.000,– Dollar.
Juli Der Ufa-Vorstand erhöht den Spielraum für Verhandlungen mit Emil Jannings bis zu einer Gage von 75.000,– Dollar. Da Jannings erst im November nach Berlin zurückkommen kann, kommt ein Engagement für 1928 nicht in Frage

31. Juli Die Academy of Motion Picture Arts and Sciences erklärt Emil Jannings zum ersten Schauspieler, der für seine herausragende Leistung in den Filmen THE WAY OF ALL FLESH, US 1927; (Regie: Victor Fleming) und THE LAST COMMAND, US 1928; (Regie: Josef von Sternberg) einen Oscar erhält.


1929 Januar Die Ufa nimmt erneut Verhandlungen mit Jannings auf; die Dreharbeiten sind für November 1929 bis Februar 1930 vorgesehen; als Gage sollen nunmehr 60.000,- Dollar angeboten werden. – Der Drehbuchautor Robert Liebmann wird von der Ufa für ein Jahr zu einem Monatsgehalt von 2.500,– RM angestellt; ferner wird vereinbart, daß Liebmann innerhalb dieses Jahres fünf Manuskripte zu einem Preis von je 10.000,– RM abliefert und dafür ausschließlich für die Ufa arbeitet.

April Erich Pommer wird vom Ufa-Vorstand aufgefordert, mit Emil Jannings über ein Engagement für ein oder zwei Tonfilme zu verhandeln.

25. April Abriß der Außenkulissen des Films DIE LIEBE DER JEANNE NEY, 1928; (Regie: G.W. Pabst) für die an dieser Stelle entstehenden neuen Tonfilmateliers der Ufa.

Mai Carl Zuckmayer schließt mit der Ufa einen Vertrag über die Ablieferung von drei Treatments zum Preis von 10.000,– RM. Sollte ein Treatment für die Verfilmung in Frage kommen, erhält Zuckmayer für die Erstellung des Drehbuches nochmals 20.000,– RM; bei einer Aufführung des Films in den USA werden nochmals 10.000,–RM gezahlt. – Erich Pommer soll mit Emil Jannings über ein Engagement für die Tonfilmproduktion der Ufa verhandeln; als Gage sieht die Ufa die Obergrenze bei 50.000,– Dollar.

1. Mai Beginn der Bauarbeiten für das Tonkreuz (vier kreuzweise angeordnete Tonfilmateliers) der Ufa in Neubabelsberg.

15. Mai Nach zweieinhalb Jahren in Amerika trifft Emil Jannings in Berlin ein. Wenige Tage darauf verbreitet die Ufa die Meldung, daß Zuckmayer für Emil Jannings ein Drehbuch schreibe, daß im Rahmen der Erich Pommer Produktion verfilmt werde. Am folgenden Tag findet in Los Angeles die erste Oscar Verleihung statt.

31. Mai Im Ufa– Palast am Zoo wird der letzte Emil Jannings Film THE STREET OF SIN (DER KÖNIG VON SOHO; Regie: Mauritz Stiller; USA 1928) aufgeführt.

1. Juni Die Tageszeitschrift "Film-Kurier" veröffentlicht die Liste der geschäftlich erfolgreichsten Filme der Saison 1928/29; an achter Stelle steht THE LAST COMMAND (SEIN LETZTER BEFEHL) mit Emil Jannings unter der Regie von Josef von Sternberg.

3. Juni Im Gloria-Palast wird erstmals in Deutschland ein amerikanischer Tonfilm gezeigt: THE SINGING FOOL (mit Al Jolson, Regie: Lloyd Bacon, USA 1928). In sechs Tagen sehen mehr als 30.000 Besucher in Berlin den Film.

21. Juni Gründung des Filmstudio 1929 in Berlin unter Leitung von Moritz Seeler, Robert Siodmak und Edgar G. Ulmer.

27. Juni Karl Vollmoeller trifft aus Amerika kommend in Berlin.

Juli Als erster Jannings-Film soll der Stoff "Rasputin" verfilmt werden. Das Vorstandsmitglied E.H. Correll verhandelt erfolglos mit Lubitsch über ein Engagement als Regisseur; nach Lubitschs Absage werden Verhandlungen mit Josef von Sternberg geführt. Lubitsch wurden 60.000,– Dollar geboten, Sternberg fordert 40.000,– Dollar, die Ufa bietet 30.000,– Dollar.

2. Juli Deutsche Erstaufführung von Dziga Vertovs DER MANN MIT DER KAMERA (UdSSR 1929) im Marmorhaus, Berlin, in Anwesenheit des Regisseurs.

9. Juli Eröffnung des Mozartsaals, Berlin als Tonfilmtheater mit Erich von Stroheims THE WEDDING MARCH (USA 1928). Musik und Geräusche kommen von Schallplatten.

24. Juli Der Ufa-Plast am Zoo wird wegen Einbau einer Tonfilm-Anlage für eine Woche geschlossen.

August Laut einer internen Kalkulation der Ufa soll der "Jannings-Film" 1.250.000,– RM kosten – neben dem bereits in Arbeit befindlichen Film DER WEISSE TEUFEL ist damit der "Jannings-Film" der teuerste Ufa– Film der Saison 1929/30. – Dr. Karl Vollmoeller wird als dramaturgischer Mitarbeiter des "Jannings-Film" zu einer Gage von 23.000,– RM plus Reisekosten Venedig-Berlin und 60,– RM Tagesspesen vom 16. August bis zum 12.11. 1930 verpflichtet. Insgesamt erhält Vollmoeller 26.780,– RM

9. Aug. Carl Laemmle, Präsident der Universal Pictures Corp. ist für vier Tage in Berlin.

16. Aug. Josef von Sternberg trifft mit seiner Frau um 8.23 Uhr auf dem Bahnhof Zoo in Berlin ein. Auf einer Pressekonferenz im Esplanade teilt er mit: " 'Mir ist als wär ich in Hollywood gestorben, und nun bin ich im Himmel wieder aufgewacht.' ... Der Stoff, den er hier drehen wird, soll in der Art von VARIETÉ sein. RASPUTIN hat man noch fürs erste zurückgestellt. Das Manuskript dieses Janningsfilms wird von Carl Zuckmayer in Gemeinschaft mit Karl Vollmoeller ausgearbeitet werden." – "Jannings reist noch nach St. Moritz, das Manuskript wird man wahrscheinlich in Vollmoellers ständiger Wohnung in Venedig ausarbeiten."

21. Aug. S. M. Eisenstein und seine Mitarbeiter Grigorij Aleksandrov und Eduard Tissé treffen zu einem längeren Besuch in Berlin ein.

22. Aug. Der Ufa Palast am Zoo zeigt Josef von Sternbergs letzten Film THE DRAGNET (POLIZEI, USA 1928 mit George Bancroft)

23. Aug. Die Ufa erwirbt die Verfilmungsrechte für Heinrich Manns Roman "Professor Unrat" für 25.000,– RM; weitere 10.000,– RM werden 1931 nach der Vorführung der englischen Fassung in New York gezahlt.

26. Aug. Carl Winston wird als Cutter und Regie– Assistent zu einem Honorar von 300,– RM pro Woche engagiert.

27. Aug. Carl Zuckmayer wird für das Drehbuch des BLAUEN ENGEL verpflichtet. Als Gesamthonorar werden 15.776,20 RM gezahlt. Die Ufa teilt in einer Pressemitteilug den Plan mit, Heinrich Manns "Professor Unrath" mit Emil Jannings in der Hauptrolle in deutscher und englischer Fassung zu verfilmen. Die Ufa verpflichtet Josef von Sternberg für die Regie des Jannings-Film "Professor Unrath" zu einem Honorar von 40.000,– Dollar bis zum 31.12.1929. Über den 31.12 1929 hinaus darf die Ufa Josef von Sternberg nur mit Genehmigung der Paramount und längstens bis zum 14.1.1930 beschäftigen. Für jede zusätzliche Arbeitswoche über den 31.12. 1929 hinaus erhält Sternberg 3.000,– Dollar. – Der Ufa– Vorstand diskutiert Einwände gegen die Verwendung des Romans "Professor Unrath"; Herr Correll erklärt, daß der Stoff vollkommen umgearbeitet wurde und "die Figur des Professor Unrath in menschlich verständlicher Weise geschildert würde, so daß zu den befürchteten Angriffen kein Anlaß bestehen würde".

September Kurt Gerron wird zu einem Pauschalhonorar von 15.500,– RM für sieben Wochen engagiert.

5. Sept. Premiere der Revue ZWEI KRAWATTEN von Georg Kaiser im Berliner Theater. Aus der Besetzung der Revue werden Marlene Dietrich, Hans Albers und Rosa Valetti für den BLAUEN ENGEL engagiert.

9. Sept. Testvorführung der stummen und tönenden Fassung von Alfred Hitchcocks BLACKMAIL (ERPRESSUNG, Großbritannien 1929) im Universum, Berlin. Die Mehrheit der Besucher spricht sich für die Tonfilmfassung aus.

19. Sept. Uraufführung des Films DAS SCHIFF DER VERLORENEN MENSCHEN (Deutschland 1929; Regie: Maurice Tourneur; mit Marlene Dietrich) im Ufa-Pavillon, Berlin.

24. Sept. Übergabe und Arbeitsbeginn der neuen Ufa-Tonfilmateliers in Neubabelsberg.

30. Sept. Berliner Premiere von THE DOCKS OF NEW YORK, USA 1928, Regie: Josef von Sternberg; mit George Bancroft) im Gloria-Palast – Uraufführung des ersten deutschen Tonfilms DAS LAND OHNR FRAUEN (Deutschland 1929; Regie: Carmine Gallone; mit Conrad Veidt) im Capitol, Berlin.


Oktober Der Ufa-Vorstand genehmigt das Engagement von Marlene Dietrich zu einem Gesamthonorar von 20.000,– RM; falls sie auch in einer englischsprachigen Version eingesetzt werden sollte, erhöht sich das Honorar auf 25.000,– RM. – Die revidierten Herstellungskosten werden in Höhe von 1.279.000,– RM genehmigt. "Nach Erörterung erklären die Herren Correll und Pommer übereinstimmend, es sei ganz ausgeschlossen, daß durch die Art der Darstellung öffentlicher Anstoß erregt werde, insbesondere nicht bei den Lehrern. Der Professor Unrath werde sympathisch gesehen und ebenso Schule und Lehrkörper. Daraufhin erklärt sich die Versammlung mit dem Film endgültig einverstanden." (Ufa– Vorstandsprotokoll 30.10.29) – Sieben Drehtage in der Tonhalle Ost – wahrscheinlich handelt es sich um Probeaufnahmen, um das Tonsystem und die Schauspieler zu testen. "Neben dem letzten Feilschen am Manuskript, dem allmählichen Einsetzen des Dialoges sind die Probeaufnahmen für den Film vor sich gegangen. Man hat Schauspieler ausprobiert, die sich eignen könnten, und sucht heute noch weiter. Für die 'Künstlerin Fröhlich', die hier Lola Lola heißen soll, ist soeben Marlene Dietrich engagiert worden. Ihre Stimme hat sich nämlich als überraschend günstig für die Wiedergabe erwiesen, weil sie unbefangen und natürlich spricht. Wie sie im Bühnenkleid aussehen soll, verrät bereits eine bunte Zeichnung: Chanteuse im kurzen Röckchen mit viel Dessous, den Hut schief auf die Seite gesetzt. Und Jannings? Der große Emil hat, so rasch es ging, Probeaufnahmen von sich machen lassen, um gleich zu wissen, wie sie ausfallen. Ihm ist es dabei wie allen gegangen, die zum erstenmal im Tonfilm sprechen: das Lampenfieber hat ihn auf eine Minute recht tüchtig gepackt. ... In der kommenden Woche werden weiter Probeaufnahmen gemacht werden."

7. Okt. Karl Vollmoeller erhält für seine Arbeit am Manuskript plus Spesen 26.780,– RM

14. Okt. Uraufführung des G.W. Pabst Films TAGEBUCH EINER VERLORENEN (Deutschland 1929; mit Louise Brooks) im U.T. Kurfürstendamm.

15. Okt. Weltpremiere des Fritz Lang Films FRAU IM MOND (Deutschland 1929) im Ufa-Palast am Zoo.

16. Okt. George Bancroft besucht Berlin. Gleich nach seiner Ankunft versammelt er im Adlon eine Reihe Berliner Pressevertreter zu einem "Interview meeting"; zu diesem meeting trafen sich mehrere gute Bekannte aus USA. Josef von Sternberg, der Regisseur Bancrofts in UNTERWELT, POLIZEI und DIE DOCKS VON NEW YORK trägt überhaupt die Schuld an allen Verbrechen, die Bancroft jemals begangen hat. Jovial und gut gelaunt antwortet Bancroft auf alle Komplimente "das hat Sternberg gemacht." Karl Vollmoeller kommt herein. Wie ein großes Kind fällt ihm Bancroft um den Hals "Hallo, Doktor!", und erzählt seinem Freund von dem großen Schoppen Bier, den er bei seiner Ankunft in Berlin zum Frühstück getrunken hat. Am folgenden Tag unternimmt Bancroft in Begleitung von Joseph von Sternberg, Carl Zuckmayer, Karl Vollmoeller und einem Troß von Journalisten einen Streifzug durch Berliner Unterwelt– Lokale. In Babelsberg werden Sternberg, Jannings, Bancroft und Eisenstein für die Presse fotografiert.

ab Mitte Okt. Probeaufnahmen mit Emil Jannings und Marlene Dietrich.


20. Okt. B.P. Schulberg, Produktionsleiter der Paramount in Hollywood, macht auf seiner Europareise in Berlin Station.

28. Okt. Uraufführung der deutschen Fassung von ATLANTIC (Großbritannien 1929; Regie: E.A. Dupont; mit Fritz Kortner) im Gloria Palast, Berlin. – Pressemitteilung der Ufa: Für den BLAUEN ENGEL sind als Bildkameramann Günther Rittau, als Ton-Kameramann Fritz Thiery und als Architekt Otto Hunte verpflichtet worden.

November Der Ufa– Vorstand bekräftigt nochmals seine Forderung, daß durch die "Art der Ausführung des Films keinerlei Anstoß erregt werden soll." (Protokoll vom 4.11.1929) – . Karl Huszar– Puffy wird als Kneipenwirt, Friedrich Holländer ist als Komponist,, die Weintraub Syncopators sind als Musik– Band engagiert – 26 Drehtage in der Tonhalle Süd in der Dekoration des Lokals "Blauer Engel". Es werden Szenen im Tingel-Tangel-Lokal "Der blaue Engel" mit Emil Jannings als Gymnasialprofessor, Marlene Dietrich, Rosa Valetti und Kurt Gerron aufgenommen

2. Nov. Aufführung von UNDERWORLD in der Berliner "Kamera" in Anwesenheit von George Bancroft und Josef von Sternberg (am Freitag – K, 6.11.29)

4. Nov. Drehbeginn des BLAUEN ENGEL in der stummen Nordhalle Babelsberg; im November werden dort 12 Drehtage verbracht. Die Ufa-Pressestelle teilt das Engagement von Kurt Gerron und Rosa Valetti für den BLAUEN ENGEL mit.

13. Nov. Max Reinhardt besucht die Tonfilmateliers der Ufa und beobachtet die Dreharbeiten zu DER BLAUE ENGEL.
"So hat man ein Bums-Varieté zum 'Blauen Engel', von Hunte in beklemmender Natürlichkeit aufgebaut, und hundert Darsteller ausgesucht zu einer Massenszene, die beim stummen Film mit natürlicher Routine glatt und ohne Auftrieb erledigt worden wäre. Beim Tonfilm aber heißt es für Sternberg, den Regisseur, die höchste darstellerische Entfaltung in Ton und Pantomime zu erzielen. Man muß diese besessene Hingabe, dieses Anspornen und Entfesseln aller Leistungsfähigkeit miterlebt haben, um zu begreifen, wie hier am Film mit einem ihm bisher fremden Bei-der-Sache-sein gearbeitet wird. Routine schafft es nicht mehr, denn vom Augenblick der Ateliergestaltung erlangt der Tonfilm seinen dauernden, mechanisch festgehaltenen Wert. Großartig Emil Jannings, in jeder Szenenprobe muß er ja eine vollkommene, endgültige Darstellerleistung erreichen. Diese Umwandlung des Pantomimikers zum Vollschauspieler, der seine Rolle nur einmal spielen darf und sich nicht vertrösten kann, daß er morgen vielleicht in größerer Gebelaune sein wird, setzt eine außergewöhnliche physische Anspannung voraus.

15. Nov. Uraufführung von DIE WEISSE HÖLLE IM PIZ PALU (Deutschland 1929, Regie: Arnold Fanck, G.W. Pabst; mit Gustav Diessl, Leni Riefenstahl) im Ufa-Palast am Zoo.

16. Nov. Josef von Sternberg und Marlene Dietrich besuchen den Ball der deutschen Filmindustrie in den Festräumen des Zoologischen Gartens.

21. Nov. Deutsche Uraufführung der stummen Fassung von F.W. Murnaus THE FOUR DEVILS (DIE VIER TEUFEL, USA 1929) im Universum, Berlin.

22. Nov. Reichspressechef Dr. Zechlin und Reichskunstwart Dr. Edwin Redslob besuchen Neubabelsberg und die Dreharbeiten zum BLAUEN ENGEL.

26. Nov. Deutsche Uraufführung von THE JAZZ-SINGER (DER JAZZ-SÄNGER, USA 1928. Regie: Alan Crosland; mit Al Jolson) im Gloria– Palast, Berlin.

Dezember Die Produktionskosten des BLAUEN ENGEL erhöhen sich voraussichtlich um weitere 200.000,– RM, wenn der Film wie geplant fertig gestellt wird. Der Abschluß der Dreharbeiten ist nun voraussichtlich für Mitte Januar vorgesehen. Der Ufa-Vorstand läßt sich die fertiggestellten Szenen vorführen, ermächtigt Herrn Pommer, "in der bisherigen Art der Regieführung und der chronologischen Aufnahmearbeit fortzufahren" und nimmt die Überschreitung der Kosten zur Kenntnis, trifft dazu aber keinen Beschluß. Die direkten Herstellungskosten betragen letztendlich 1.972.769,– RM. Damit ist DER BLAUE ENGEL bis 1932 der teuerste Film der Erich Pommer Produktion. (übertoffen nur durch F.P.1) ANTWORTET NICHT" mit 2.215.277,– RM – Die Uraufführung des BLAUEN ENGEL wird für den 19. Februar 1930 im Gloria-Palast geplant. – Sechs Drehtage in der Tonhalle II West; 12 Drehtage in der Tonhalle IV Ost (Schulklasse), 27 Drehtage in der Tonhalle III Süd (Lokal "Blauer Engel"), 12 Drehtage in der stummen Mittelhalle I S (Straße)

7. Dez. Der amerikanische Regisseur Raoul Walsh ist in Berlin

11. Dez. Die Ufa-Pressestelle teilt das Engagement der Schauspieler Carl Balhaus, Robert Klein-Lörk, Roland Varno und Rolf Müller in der Rolle der Gymnasiasten für den BLAUEN ENGEL mit. Fortsetzung der Dreharbeiten im Vorstadt-Variete:
"Sternberg ... hat den BLAUEN ENGEL ... sehr echt aufbauen lassen. Die schäbige Eleganz des Raumes wirkt genauso trostlos wie das Schicksal des Professor Unra, der, über den Roman hinaus, zum Clown wird. Emil als Clown – diese Verwandlung fehlte bis jetzt in der reichen Galerie der Masken, die ihm der Film anzulegen befahl. Man hat das eigenartige Organ dieses Künstlers lange nicht von der Bühne vernommen. Im Tonatelier .... klang es eigenartig schluchzend, von Tränen erstickt, wie es die Worte des Dialoges vorschreiben .... Neben Jannings steht Marlene Dietrich, ein blondes Luderchen, das hinauf will und dem zum Aufstieg jedes Mittel recht ist. Man kommt hinzu, wie sie mit Kurt Gerron, dessen Massigkeit nicht übel in dieses Milieu passt, wenn auch die Herren aus dem Ringverein sehr viel harmloser aussehen, den Text der englischen Fassung in das Mikrophon spricht. Die Stimme der Dietrich ist so schmiegsam wie ihre Figur. Sie setzt, ganz wie auf der Bühne, sanft an, nuanciert etwas schärfer und hat dann den Lockruf des siegreichen Weibes, dem kein Mann widerstehen kann. Das Englisch dieser gebürtigen Berlinerin ist gut, fast ohne jeden fremden Beiklang, namentlich ohne jedes amerikanische Näseln, das im britischen Imperium bei Tonfilmen nicht gern gehört wird

16. Dez. Uraufführung des ersten Tonfilms der Erich Pommer Produktion der Ufa MELODIE DES HERZENS (Deutschland 1929, Regie: Hanns Schwarz, mit Willy Fritsch, Dita Parlo) im Ufa-Palast am Zoo, Berlin.

30. Dez Uraufführung des proletarischen Films MUTTER KRAUSENS FÄHRT INS GLÜCK (Deutschland 1929, Regie: Piel Jutzi) im Alhambra (Kurfürstendamm), Berlin.


1930 Januar Der Ufa Vorstand lehnt den Wunsch der "Frankfurter Illustrierten" nach einem Gruppenbild mit Emil Jannings, Marlene Dietrich und Heinrich Mann ab. – Eduard von Winterstein wird für die Rolle des Schuldirektors engagiert
Fünf Drehtage in der stummen Mittelhalle II N (Rathausturm), fünf Drehtage in der stummen Mittelhalle I S (Straße), dreizehn Drehtage in der Tonhalle II West, 8 Drehtage Tonhalle III Süd (Lokal "Blauer Engel")

7. Jan. Letzter Drehtag für Marlene Dietrich

21. Jan. Sydney R. Kent, Generaldirektor der Paramount, ist in Berlin und besucht die Ufa-Ateliers in Neubabelsberg. Er sieht dort die englische Fassung des BLAUEN ENGEL und leitet Verhandlungen mit Marlenen Dietrich über ein Hollywood"Engagement ein.
22. Jan. Letzter Atelier Tag

ca. 25.Jan. 40. Presseball in Berlin. Gesehen werden u.a. Heinrich Mann und Trude Hesterberg, Erich Pommer, Kurt Gerron, Marlene Dietrich und Leni Riefenstahl.

ca. 28. Jan. Erstaufführung von Sternbergs Film THE CASE OF LENA SMITH (EINE NACHT IM PRATER) im Berliner Primus Palast.

30. Jan. Friedrich Holländer und die Weintraub– Synkopators nehmen die Instrumental-Version von "Nimm Dich in Acht vor blonden Fraun" und "Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt" im Beethoven Saal in Berlin auf.

Februar Nachsynchronisation des BLAUEN ENGEL,, noch unter der Regie von Josef von Sternberg.

6. Feb. Aufnahmen von der deutschen und der englischen Version der Lieder "Ich bin von Kopf bis Fuß/" "Falling in Love again" und "Nimm Dich in Acht vor blonden Fraun"

11. Feb. Josef von Sternberg verläßt Berlin und kehrt nach Hollywood zurück – Carl Winston erhält 800,– RM für vier englische Songtexte.

13. Feb. Marlene Dietrichs Engagement durch die Paramount wird bekanntgegeben.
"Schon lange schweben die Verhandlungen. ... Aber ich konnte mich nie recht entschließen hinüberzugehen, weil ich mich nicht von meinem Kind trennen wollte. Noch als Sternberg fortfuhr, habe ich immer nein gesagt. Und jetzt hat es sich soeben doch entschieden, daß ich fahre. Weil nämlich Paramount mir je eine jahreshälfte für Deutschland gelassen hat. So daß ich also immer nur sechs Monate drüben zu filmen habe. ... Paramount hat in Berlin meine englische Version von dem BLAUEN ENGEL gehört und mich daraufhin engagiert." –
Die Direktion der Klein-Bühnen in Berlin besteht auf Erfüllung eines einjährigen Theatervertrages mit Marlene Dietrich.
19. Feb. Deutsche und englische Fassung von "Ich bin die fesche Lola/Naughty Lola" und "Kinder heut abend such' ich mir was aus"

28. Feb. Der seit Anfang Februar in Berlin tätige neue amerikanische Botschafter Frederic M. Sacket, besucht die Ufa-Filmateliers in Neubalelsberg und sieht die englische Fassung des Films LIEBESWALZER sowie einige Teile der englischen Fassung des BLAUEN ENGEL – Besonders erfreut war der Botschafter darüber, daß die Ufa sich bei der englischen Version nicht sklavisch an eine Übersetzung gebunden und fernerhin den Mut gefunden habe, bei typisch deutschen Charakteren absichtlich darauf zu sehen, "daß diese Schauspieler bewußt in ihrer Sprache den deutschen Akzent beibehielten, statt auswendig gelernte englische Sätze tadellos, aber farblos wiederzugeben. Denn gerade dies werde in Amerika als besonders reizvoll empfunden werden."

März  

3. März "Ich bin von Kopf bis Fuß" und " Wenn ich mir was wünschen dürfte" Aufnahmen mit MD und Friedrich Holländer und den Weintraubs.

24. März Der Reklameetat wird auf 34.075,80 RM festgelegt – Der Vorspannfilm soll als kurzer Vortrag von Dr. Hans Müller inszeniert werden. "Es wird beschlossen, [den Vorspann] noch in der Hinsicht abzuändern, daß er die Fabel nur bis zu dem Punkte andeutet, in dem die zwei Weltanschauungen aufeinanderprallen ohne anzugeben, welches der Ausgang ist." (Protokoll vom 24. März 1930)

April  

1. April Weltpremiere im Gloria– Palast, Berlin. Noch am selben Abend verlaßt Marlene Dietrich Berlin, um nach Hollywood zu fahren.
"Plötzlich wird es ernst. Die Trennung von Berlin wird mir nicht leicht. Erstens, weil ich hier zu Hause bin, zweitens weil eben Berlin Berlin ist. Warum soll ich es nicht sagen: Ich fürchte mich ein wenig vor Hollywood ... Der erste Film, den ich drüben unter Sternberg spiele, ist die Tonfilmversion des Romans 'Amy Jolly' von Benno Vigny. Und wenn es noch tausendmal schöner wird als ich es mir vorstellen kann, wenn alle Wunder in Erfüllung gehen, die mir die 'Schondrübengewesenen' erzählen, und die mir jetzt prophetisch sagen: "Du kommst nicht wieder" – Ich komme wieder! Schließlich lasse ich ja nicht nur Berlin, sondern auch mein Kind hier zurück. Auf Wiedersehen."

2. April Auf Wunsch des Ufa-Vorstandes sollen nachträglich Änderungen ausgeführt werden;so sollen "verschiedene Geräusche, die man natürlicherweise hören müßte, auch hörbar sein"; auch soll der Tod des Professor Unrath deutlicher werden. (Protokoll vom 2.4. und 19.2.1930)

7. April Nach Vorführung der englischen Fassung für den Ufa-Vorstand sollen Schnitte angebracht und Szenen nachsynchronisiert werden. – Die Ufa bezeichnet in einer Presseerklärung den Film zum erfolgreichsten, bislang in deutschen Kinotheatern gezeigten Tonfilm.

12. April Die Schlußszene des BLAUEN ENGEL wird nachträglich mit Musik versehen.

bis 14. April Der Ufa-Vorstand Ludwig Klitzsch ist mit einer Kopie des Films in den USA


nach dem 22. April Vorführung des BLAUEN ENGELS vor dem Bildungsausschuß des Reichstages


14. Mai Für die Nachaufnahmen zur englischen Fassung des BLAUEN ENGELS werden 59.095,– RM genehmigt.


20. – 25. Mai Nachsynchronisation und Neuaufnahmen der englischen Fassung


8. Aug. Die Herstellung einer französischen Fassung des BLAUEN ENGELS wird genehmigt. Höchstwahrscheinlich handelt es sich nur um eine Untertitelung.

27. Aug. Lizenzvertrag zweischen der Ufa und Paramount über den Verleih des Films in Amerika, Alaska, Hawaii und Neufundland. Der Vertrag unterscheidet nicht zwischen deutscher und englischer Fassung

5. Dez. Amerikanische Erstaufführung des BLAUEN ENGEL im Rialto, New York. Gezeigt wird die englische Fassung. Der Film erzielt in einer Woche die Rekordeinnahme von 60.000 Dollar.


1931  

2. Januar Paramount meldet in den USA das Copyright für den BLAUEN ENGEL an; 1944 fallen die Rechte an die Ufa Film Inc, New York zurück.

4. Oktober 1000. Vorführung des BLAUEN ENGEL im Pariser Studio des Ursulines.


1933  

22. Januar Wiederaufführung des BLAUEN ENGEL im Capitol, Berlin anläßlich des Berlin-Besuchs von Josef von Sternberg


30. Januar Adolf Hitler wird Reichskanzler. Beginn der Nazi-Diktatur


20. April 33 Das Staatsministerium des Innern beantragt die Zulassung des BLAUEN ENGEL zu widerrufen. Die Ufa verzichtet am 9. Mai auf die Rechte aus der Zulassung. Die Vorführung des BLAUEN ENGEL, ist damit nicht mehr erlaubt. Verboten wird auch die Vorführung des Films UFA-BOMBEN – " Ufa Kabarettfilm No. 7 (1932), da in diesem Film Teile des BLAUEN ENGEL gezeigt werden.

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